Rapha Gentlemen’s Race Bavaria

Fotografie: Jon Woodroof & Maximilian Prechtel | Datum:
Instagram images: @twotoneams

Als wir vor dem verschlossenen Gittertor des Steinbruchs standen, musste ich unwillkürlich an den Film „Das Geheimnis eines Sommers“ von 1986 denken – die Szene, als die vier Jungs auf dem Schrottplatz sind, der von Chopper, dem bissiger Hund, bewacht wird. Nur zwei Stunden zuvor hatte ich bei der Rennbesprechung allen Teams auf den Weg gegeben, dass dieser Umweg durch einen in Betrieb befindlichen Steinbruch führt. Bleibt auf jeden Fall rechts, hatte ich gesagt, und fahrt nicht auf die Holzhütte zu.

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Nur hatten die schnellen Teams aber genau das getan – und dann festgestellt, dass die Hütte einem Wachmann mit seinem Schäferhund gehört. Und der war nicht gerade begeistert davon, Horden von Eindringlingen im Raddress auf seinem Revier zu haben, und dann auch noch an einem geruhsamen Samstagmorgen. Die Fahrer bekamen diverse Schimpfworte und Drohungen auf Bayerisch an den Kopf geworfen (die sie größtenteils nicht verstanden), und irgendwann beschloss der Wachmann stattdessen, ganz einfach das Tor abzuschließen.

Das brachte einige der Teams in Schwierigkeiten. Um nicht Gefahr zu laufen, disqualifiziert zu werden, rief ein Team beim Rennleiter an und fragte um Rat. Aber die meisten nahmen einfach den vernünftigeren Weg um den Steinbruch herum und trafen ein paar Hundert Meter weiter wieder auf die richtige Strecke. Aber nicht alle Teams. Meester Knecht, eine bunte Truppe vom Fixie Store in Amsterdam, nahm es auf sich, a) mit Fahrrädern und allem das zweieinhalb Meter hohe Metalltor zu erklimmen und b) der Originalstrecke durch den Steinbruch zu folgen. Wahrscheinlich verfolgt von Chopper.

BAVARIA-005 Bilder, gefunden auf Instagram

Nun will ich nicht behaupten, dass unbefugtes Betreten von privatem Grund ein essenzieller Bestandteil eines Rapha Gentlemen’s Race ist, aber ein Hauch von Abenteuer und der Wunsch, komme was wolle weiterzufahren, gehören ganz bestimmt dazu.

Dies war unser erstes Gentlemen’s Race auf dem europäischen Festland, und es war uns wichtig, die Traditionen zu pflegen, die die vorherigen Austragungen an anderen Orten so erfolgreich gemacht haben: eine schöne, anspruchsvolle Strecke, viel Schotter und Offroad-Passagen und eine Herausforderung, die selbst die Teams mit dem besten Zusammenhalt auf die Probe stellt.

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Achtzehn Teams zu je sechs Fahrern gingen an einem frühen Samstagmorgen an den Start südlich von München. Einige waren aus so entfernten Regionen wie Spanien, Griechenland, der Tschechischen Republik und Österreich angereist, andere Fahrer lernten sich an jenem Morgen zum ersten Mal kennen. Die Strecke führte sie nach Süden zum Walchensee, wo eine überraschende Verpflegungsstelle mit Apfelstrudel, Vanillesauce und Espresso wartete – und einem schönen Blick auf die Bayerischen Alpen. Dann ging es im großen Bogen über Lenggries zurück.

Von den 18 Teams am Start schafften es 18 ins Ziel. Das schnellste brauchte nicht ganz sechs Stunden, um die 180 Kilometer mit 2.000 Höhenmetern zurückzulegen, das langsamste etwas über neun Stunden. Ein Team hatte allein auf den letzten 50 Kilometern fünf Plattfüße, andere kamen komplett ohne Defekte durch.

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Die traditionellen, heiß umkämpften „Lanterne rouge“-Mützen für das langsamste Team gingen an das Gruppetto Berlin – bis es soweit war, mussten die Fahrer jedoch ihren sechsten Mann 100 Kilometer bis ins Ziel schieben, nachdem dessen Schaltwerk auseinandergeflogen war, wobei es diverse Speichen und den Freilauf mitgenommen hatte. Ganz im Geiste des Gentlemen’s Race lehnten sie es ab, den Besenwagen in Anspruch zu nehmen.

Dies war nur einer von vielen Beweisen echter Kameradschaft an jenem Tag, und wir sind stolz darauf, ihre Zeugen gewesen zu sein. Es mag unser erstes Gentlemen’s Race in Europa gewesen sein, doch es war bestimmt nicht unser letztes.

Weitere Bilder finden sich auf unserer Flickr-Seite oder auf Instagram, Twitter und Facebook unter dem Hashtag #rgr

 

Team Time #
TEAM rv sturmvogel München

05:49:00

1

RADCORE

06:27:00

2

Team SPOOCHA

06:30:00

3

Bonn-Cycling

06:32:00

4

Feine Fahrräder München

06:34:00

5

Tiris

06:36:00

6

BMW

06:41:00

7

Ride Unicorn

06:46:00

8

Meester Knecht

06:48:00

9

Festka

06:50:00

10

Vaig a fer un tomb

06:51:00

11

Rapha & Friends

07:05:00

12

Ride with passion

07:09:00

13

Individualisten

07:37:00

14

Heimspiel

07:51:00

15

Bence´s 6

08:07:00

16

Gruppetto Berlin

08:08:00

17

Colonia Cycling Club*

09:01:00

18

 

*Nur fünf Fahrer am Start.

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