Bohemia

Words: Königstein- Ještěd | Fotos: Stefan Rohner and Femke Hoogland | Date:

Produktion:
e r t z u i ° film

_Fotos von Stefan Rohner & Femke Hoogland | Text von Kieran Riley_

Gerade im englischsprachigen Raum wird „Bohemia“ in Verbindung gebracht mit den Ecken einer Stadt, in denen die Kultur brodelt, das unkonventionelle Leben zuhause ist – mitunter wird es sogar mit freier Liebe, rosa Brillen und der Erholung dienenden Drogen assoziiert. Greenwich Village in New York, Berlin-Mitte oder der Montmartre in Paris wären Beispiele: Treffpunkte für gleichgesinnte Künstler, Schriftsteller, Musiker.

Nur wenige denken statt an Bohemiens tatsächlich an Böhmen, jenen westlichen Teil Tschechiens, der an Deutschland, Polen und teils auch Österreich grenzt. Eine Gegend, die in den Weltkriegen annektiert, zum Teil zurückgegeben und mittlerweile aus tschechischen Regierungsbezirken besteht.

Eine ihrer Regionen ist die České Švýcarsko, auch bekannt als die Böhmische Schweiz. In der Romantik waren sie und ihre Schwester, die Sächsische Schweiz, Rückzugsort und Inspiration wichtiger Künstler – wie den Komponisten Antonín Dvořák, Frédéric Chopin und Richard Wagner, oder Malern wie Adrian Ludwig Richter und Caspar David Friedrich.

Blickt man über die für die Region typischen Sandsteinfelsen, wie etwa „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ in Caspar David Friedrichs gleichnamigem Gemälde, entfaltet sich die atemberaubende Schönheit der Natur, die heutzutage eher als Kletter- und Wanderparadies bekannt ist, als für Radfahrabenteuer.

Dieser Widerspruch prädestinierte die Böhmische Schweiz geradezu als Ausgangspunkt für die Rapha Continental Europe-Serie. Abseits viel befahrener Straßen wurde Bohemia ein wirkliches Abenteuer im unbekannteren Europa.

Mit der Feste Königstein als Startpunkt, einer der größten Bergfestungen Europas, kletterte und wand sich die Strecke vom südöstlichsten Zipfel Sachsens durch diesen verzaubernden Teil Böhmens. Sie beeindruckte mit kontrastreicher Abwechslung aus verlassenen Hinterlandstraßen und Touristen-überfluteten Schluchten, brutalen Anstiegen mit Spitzkehren und langen, berauschenden Abfahrten, dichten Märchenwäldern und saftigen Wiesen – regelmäßig gewürzt mit Blicken auf den fernen Ještěd, der mit 1012 Metern den Horizont beherrschte wie ein tschechischer Mont Ventoux.

Seit den frühen Siebzigern beherbergt der Ještěd jene charakteristische hyperboloide Spitze, die aus einem Hotel und einem Fernsehturm besteht – aber genauso gut auch der futuristische Schlupfwinkel eines Bösewichts aus einem James Bond-Film sein könnte.

Ganz in der Tradition seiner quergeistigen Vorväter wurde der Architekt des Turmes, Karel Hubáček, vom vom kommunistischen Regime der Tschechoslowakei unter dem Vorwurf „kapitalistischer Bauweise“ und „der Verwendung westlicher Materialien“ geächtet. Obwohl er für sein Bauwerk mit dem renommierten Auguste-Perret-Preis ausgezeichnet wurde, wurde er als Persona Non Grata sogar von der Eröffnungszeremonie des Turms 1973 ausgeschlossen. Jener gilt seither als bedeutendstes Bauwerk des 20. Jahrhunderts in Tschechien – und steht auf der Vorschlagsliste der UNESCO Weltkulturerbe-Stätten.

Auch dieser kulturgeschichtliche Aspekt mag durchaus zum überwältigenden Gefühl beitragen, das sich bei Erreichen des Ještěd-Gipfels einstellt – der zugleich der Höhepunkt des ersten Continental Europe war.

Weitere Worte sollen hier nicht verloren sein, vielmehr soll der Film für sich sprechen. Denn wie sagte einst Caspar David Friedrich? „Ein Bild muss nicht erfunden, sondern empfunden sein.“

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